auswandern nach berlin…

irgendwie kotzt mich in letzter zeit wien an und der wunsch nach veränderung wächst und wächst. ich weiß noch nicht, ob ich den schritt tatsächlich durchführen werde, aber seit dem ich den gedanken vor ca. einer woche hatte, nimmt er mehr und mehr gestalt an.

zunächst hab ich mir einfach nur gedacht, dass ich vielleicht gleich dort job suche und meinen lebensmittelpunkt mal für paar jährchen dorthinverlege. aber jetzt könnt ich mir auch vorstellen nur mal fürs mögliche masterstudium dorthinzuziehen und dafür eventuell ein leistungsstipendium zu beantragen, dass mich erhält.

was ich mir gerad vorstellen kann, weiter zu studieren: social, affective and cognitive neuroscience an der fu berlin, wobei das studium auch zulassungsbeschränkt ist und ich dafür vielleicht mal einen englisch-kurs machen müsst…

andererseit packt mich das thema grad allgemein eher nicht bzw. würd ich grundsätzlich mehr zu sozialpsychologischem zeux (insbesondere gewalt und -umgang) machen und so. weil mich das in allen zusammenhängen irgendwie verfolgt und eigentlich auch recht allgegenwärtig ist.

aber dazu vielleicht in einem anderen beitrag mehr. hab grad nicht so die energie das auszuführen…

studieren

grad im gespräch mit einer fachtutorin herausgefunden, was falsch an hausübungen ist. beim beantworten von irgendwelchen langweiligen fragen, also dem überprüfen von wissen, wird wesentliches nicht vermittelt und ich kann nachher auch nicht sagen, ob die person was verstanden hat oder nur gelernt hat, texte wiederzukäuen. spannender wär’s doch (und für studierende vielleicht sinnvoller) wenn stattdessen fragen zu stellen wär, um gerade sachen, die eins nach lektüre eines textes nicht verstanden hat (bzw. auch um bei aufgabenstellungen für die sich eins nicht befähigt fühlt), eine antwort zu bekommen und den kontext eines textes zu verstehen.

warum schreibt die person dieses und jenes, aus welcher perspektive, vor welchem hintergrund, mit welcher intention. was finde ich problematisch und so weiter. fragen, die sich seriöse wissenschaftler_innen schon stellen, wenn sie theorien ausarbeiten und forschen

rhizome vs. trees

Gelange gerade zur Einsicht, dass eins meiner ursprünglichen Forschungsfelder wohl spannend, aber vorerst mal unrealisierbar ist. Dazu fehlen mir einerseits die Ressourcen (mag/kann nicht alles speichern bzw. hab ich keinen Zugriff auf viele Daten), andererseits hinterfrag ich auch ein bisschen die Sinnhaftigkeit des ursprünglichen Projekts und schau mir an, inwiefern sich dieses noch retten lässt. Aber der Reihe nach.

Das Problem

Du hast einen Text und möchtest mehr über ihn erfahren, ohne ihn zu lesen oder eine genauere Ahnung zu haben. Bzw. möchtest du nach dem Lesen verstehen worum es geht, weil du keine Ahnung über den Kontext hast, welche Fragen da eigentlich behandelt werden, etc.

Der Blick ins Literaturverzeichnis kann diesbezüglich manchmal ganz aufschlussreich sein, allerdings ist die Darstellung eher mühsam bzw. wenig ergiebig, wenn das Feld neu für dich ist und du eh keine Ahnung hast und überhaupt.

Die ursprüngliche Idee

Vielleicht die naive Vorstellung, dass es was fürs Textverständnis bringt, Referenzen zu visualisieren. Ich mein, es wird sicher irgendwas geben, wofür es nützlich sein kann, diese Metainformationen zu analysieren (z.b. für eine Kritik an dem Text, der fehlende Berücksichtigung von relevanten Autor_innen oder für ein Feld zentrales Gedankengut nachweisen möchte), aber nichts fürs Textverständnis (einfaches Beispiel: in einem Feld, wo eins nicht zu Hause ist, das Literaturverzeichnis anschauen und sich fragen, was eins mit den Namen von unbekannten Autor_innen anfangen soll).

Die Idee führt vielleicht auch von diesem falschen Bild, welches ich in meinem Kopf hab, nämlich dass diese Information so relevant sei; wobei ich nur mein eigenes Verhalten anschauen muss, um zu merken, dass ich selbst keineswegs so zitiere, wie ich’s vielleicht – um den wissenschaftlichem Ideal zu genügen – sollte. Viele Ideen kommen von sovielen Orten, dass die Wurzel nicht mehr auszumachen ist. Mal abgesehen davon, dass sich mein Verständnis von Texten von dem anderer Menschen unterscheidet, weshalb es kein richtiges Textverständnis geben kann.

Und ich denk da liegt der Hund auch irgendwo begraben, weshalb meine ursprüngliche Idee, nicht so zielführend ist bzw. wo feministische Wissenschaftskritik bzw. generell sowas wie Poststrukturalismus ansetzen würde. Diese seltsame Vorstellung, dass es ein objektives bzw. hegemoniales Wissensverständnis gäbe, wo Begriffe klar definiert sein können und sich Wissen hierarchisch in eine Baumstruktur zwängen könnte.

Klar, zwischen der Arbitrarität von Wörtern (dass es quasi gesellschaftliche Konvention ist, wenn bestimmte Signifikanten und nicht andere auf irgendwelche Dinge referieren bzw. diese bezeichnen) und der Beliebigkeit von Definition, weil es keinen Wesenskern gibt (bzw. Platons Ideenhimmel), gibt’s nen Unterschied und Definitionsfragen sind manchmal (meist) auch umkämpft (vgl. z.B. dieses Butler Interview – TODO: Punkt, den ich machen möchte, ausarbeiten…).

Generell arbeite ich mich gerade gedanklich durch Silke van Dyks Poststrukturalismus. Gesellschaft. Kritik. (PDF) und hab da das Wort rhizomatisch (vgl. Wikipedia) ganz spannend gefunden, welches mir neu war. Inwiefern ich was mit der Kritik anfangen kann (dass eine rhizomatische Haltung etwas vielleicht schlechtes ist?), weiß ich noch nicht. (Spannend ist jedoch vielleicht der Vergleich mit diesem Aufruftext. Und auch wenn ich das Fazit der Gegenveranstaltung nicht vorwegnehmen wollen würde, denke ich doch, dass es gänzlich anders und wahrscheinlich um einiges “regressiver” ausfallen wird, als van Dyks…)

Und jetzt?

Tja, jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher, inwiefern so ein Tool, welches auf Basis dieses Baum-Modells basiert, noch sinnvoll ist. Ich mein, im Grunde könnt ich dem schon noch was abgewinnen (so wie ich ja auch “wissenschaftliche Erkenntnisse” per se nicht ablehne, sondern meist ja auch teile), allerdings wäre für mich grad eher so ein Projekt zum eigenen Verständnis wichtiger, wo ich quasi meine gedankliche Querverbindungen und Assoziationen sichtbar machen kann.

Also vielleicht bin ich auch einfach nur unzufrieden mit meinen bisherigen Erfahrungen mit Literaturverwaltungssoftware (wo eins quasi nur Listen erstellen kann) und würd mir da gern software-technisch einfach mehr Unterstützung wünschen (wobei ich da zugegebenermaßen jetzt auch kein Experte drin bin). Weil persönlich hab ich das Gefühl, dass bei vielen wissenschaftlichen Arbeiten, da einfach viel Zeit drauf geht, so Verbindungen nachzuschlagen und zu überprüfen, die sich auch automatisieren lassen müssten.

Letztlich hab ich keine Ahnung, ob das was ich jetzt haben will, realisierbar ist, oder sinnvoll – weil’s ja dann einen für die eigene Erkenntnis vielleicht wichtigen Schritt abnimmt und die Gefahr besteht, dass so Verbindungsvorschläge so einer Software von recherchefaulen Menschen wie mir nicht mehr kritisch überprüft werden würden und damit quasi ganz viel vorgeben – andererseits denk ich halt, dass unter der Prämisse, dass ich sowieso recherchefaul bin, es auch nicht schaden kann, wenn das ganze expliziter stattfindet.

Im Grunde geht’s mir auch ein bisschen um sowas wie persönliche Wikis, die aber bessere Literaturverwaltung ermöglichen (Idealfall: mit Vollzugriff auf sämtliche Datenbestände) und auch zur Strukturierung meiner Arbeit beitragen können (z.B. wenn ich Exzerpte anlege, dass die dann besser integriert werden und so mit Zitierstelle eingefügt werden können und so weiter).

Mein Traum von einem Tool, welches Texte versteht und für schnell dahingeschriebene Stellen geeignetete Zitatvorschläge bringt, ist glaub ich nicht realisierbar (bzw. gibt’s ja schon so Suchmaschinen wie Google Scholar). ;)

Individuelles Studium?

nachdem ich grad etwas planlos so von tag zu tag vor mich hinleb, dacht ich mal, dass ich die option eventuell ein individuelles studium nachzugehen mal etwas verschriftliche.

was spricht dafür? ich mag sowieso irgendwas studiumsmäßig machen, allerdings kotzen mich grad alle vorgefertigten studienangebote an, weil keines maßgeschneidert auf mich und meine interessen passt. prinzipiell könnt ich mir auch vorstellen, einfach die steop für ein bachelorstudium zu schaffen und dann im rahmen des interessensmoduls irgendwas zu studieren, andererseits lockt mich das noch nicht genug, um die steop zu schaffen. weshalb ich mir gedacht hab, dass ich sowieso mal das vorhandene angebot nach interessanten veranstaltungen durchforsten sollte, um mir einen überblick zu verschaffen. ob ich das dann wirklich durchzieh ist ja eine andere frage…

thematisch hab ich ja schon mal angedeutet, was mich so grundsätzlich interessieren würde. in der zwischenzeit weiß ich nicht, inwiefern sich das alles geändert hat, aber das spielt ja auch weniger eine rolle.

hauptsächlich würde mich (soziale) netzwerkanalyse als basis einer umfassenden gesellschaftskritik interessieren (wo ich gern mal ein video zu unterschiedlichen theorien/modellen machen würde und inwiefern sich diese wo widersprechen und/oder wo sie sich gut ergänzen bzw. verschiedene perspektiven liefern, etc.)

allerdings denk ich, dass für mein vorhaben noch mehr ahnung über einerseits sprache/kognition/kommunikation andererseits aber auch wissens(re)produktion notwendig wäre.

semantik fänd ich auch spannend und generell so die frage, inwiefern wir (informatische) tools zum verständnis einsetzen können. (nur so als beispiel, http://voyant-tools.org/) – eindrucksvoll auch, wenn die erwartete antwort auf die frage “worum geht’s eigentlich in dem text?” durch sowas total gebrochen werden kann. zumindest  find ich, dass so ne erkenntnis für ne person, die sich hauptsächlich für epistemologische fragestellungen interessiert hat und deswegen alles andere nicht erkennen kann, scho unbezahlbar sein kann…

wobei das jetzt nur ein beispiel wäre, um sowas am text eher oberflächliches zu visualisieren. wichtiger fänd ich ja so sinnzusammenhänge und wenn so ein semantisches netz möglich wäre, wobei da die frage auch ist, inwiefern diese assoziationsprozesse sinnvoll automatisiert werden können.

im grunde ist halt auch die frage, was genau erreicht werden soll. mir persönlich würde ja auch sowas wie ein zitate-check reichen. also wenn ich jetzt keine eigenständige theoriebildung brauch, aber mir der prozess zum überprüfen von aussagen/argumenten erleichtert wird. (ohne sich dabei auf fragwürdige sekundärliteratur beziehen zu müssen, in denen alle antworten drinstehen.)

wie das genau ausschaut, weiß ich nicht – teilweise könnt’s auch einfach nur ne visualisierungshilfe von wissenschaftlicher lektüre sein. also dass ich meta-infos so darstelle, dass ich anschlüsse an mir bekannte autor_innen, theorien, ideen finde bzw. vielleicht sogar einstiegslektüre, die den zugang erleichtern vorgeschlagen werden. – ich mein, ich denk sowas wär auch ohne automatisierung hilfreich, insofern wär die frage der darstellung auch eine zentrale.

teilweise denk ich ja, dass das ein nicht-generalisierbares problem ist (insofern es wohl schwer sein wird, verschiedene weltanschauungen/paradigmen aus text zu ex-/abstrahieren…), anderseits glaub ich halt auch, dass sich das schon lohnt, wenn’s dafür eine gemeinsame sprache gäbe (wobei die möglichst inklusiv sein sollte…)

weshalb ich’s eigentlich auch spannend fände, mal nur so ne explizierung meines derzeitigen verständnisses zu probieren und dabei nicht aus den augen zu verlieren, was wichtig/wesentlich/… ist.

tjo, unabhängig davon, in was für einen rahmen ich meine forschungsbestrebungen anstrebe (oder ob das nur gedankenspielereien sind, denen ich nie nachgehen werde, weil ich zumeist von der unmöglichkeit der umsetzung ausgehe), fänd ich’s schon cool, wenn ich meine innere hin-/her- und zerissenheit zwischen verschiedenen positionen und deren widersprüche endlich etwas gegensetzen und aufheben könnte. bzw. mir eine als sinnvoll erscheinende beschäftigungsmaßnahme aufhalsen könnte, für die ich mich auch begeistern könnte.

gendersegregration & erziehung

… gehören zu den dingen, über die ich nie so bewusst nachgedacht habe. erstmals aufgefallen ist es mir bei meiner ersten reaktion auf die (deutsche) debatte über einen “burkini”, die daraus bestand, dass ich mich gewundert habe, was genau das problem ist.
nachdem ich in wien (österreich) aufgewachsen bin, habe ich auch das hiesige öffentliche bildungssystem genießen können, indem auch heute noch gewisse dinge geschlechtsgetrennt voneinander unterrichtet werden.
z.b. textiles und technisches werken, der sexualkunde-unterricht, aber auch und vor allem der sportunterricht. sport ist ja generell so ein ding, wo’s ziemlich sexistisch hergeht. (z.b. wird frauenfußball als das andere vom “normalen”, unmarkierten männerfußball gebrandmarkt.)
nachdem ich mich noch kaum bis gar nicht mit mono- und koedukation auseinandergesetzt habe, aber viel mit antidiskriminatorischer praxis, fand ich es seltsam, dass mir das nicht schon viel eher aufgefallen ist.
ich hab mir vorgenommen, bewusster durchs leben zu gehen und mehr auf solche dinger, wo binär nach geschlecht getrennt wird, zu achten. vielleicht fällt mir in zukunft dann auch auf, wie so manche “kleinigkeiten” dazu beitragen, gewisse lebensentwürfe schon von früh an zu verunmöglichen.

was mich zum anderen thema bringt. die frage, wieviel zuwendung, aufsicht und kontrolle kinder brauchen. bzw. was die erwartungshaltungen an eltern oder anderen erziehungspersonen sind und was für lebensentwürfe möglich sind bzw. wie emanzipatorisch die in einer von kapitalistischen zwängen unterworfenen welt sein können.
mein problem (also warum ich denke, dass ich nicht viel zu der diskussion beitragen kann) ist, dass ich nie vorhatte kinder zu haben und dass ich bis vor kurzem auch nicht verstanden habe, wieso andere das wollen und erst am beginn des kritischen aufarbeitens meiner eigenen kindheit bin.
problematisch finde ich, dass nicht nur in broschüren wie “alles was recht ist” ehe zwischen mann und frau als grundvoraussetzung für kinder und familie gesehen wird, und dass der heteronormative lebensentwurf massiv privilegiert und subventioniert wird, während andere teilweise kriminalisiert und verunmöglicht werden. auch in den köpfen der menschen ist vieles nicht anders denkbar und alternativen orientieren sich meist am ideal einer kernfamilie, welches sich um das wohl des kindes sorgen soll, kann und muss.
am meisten stört mich daran, dass das wohl des kindes™ oftmals als rhetorisches mittel herangezogen wird, über das sich alle streiten können. ein kind sei glücklich, wenn es geborgen ist, wenn es sich auf bestimmte bezugspersonen verlassen kann, wenn es einen freiraum hat, von der harschen realität geschützt wird, ein sorgloses leben führen kann, keine alpträume wegen unkontrollierbaren medienbildern haben muss, … und dass mit diesen teilweise völlig absurden ansprüchen, dann ein narrativ über unverantwortliche eltern aufgebaut wird. eltern, denen ihre karriere wichtiger ist, die keine guten vorbilder oder die alleinerziehend sind, etc.
und ich mag diesem bild jetzt gar nicht zustimmen, indem ich darauf eingehe, inwiefern kapitalistische sachzwänge den alleinverantwortlichen eltern keine andere wahl lassen, sondern viel mehr darauf hinweisen, dass die alternativlosigkeit wohl auch daher kommt, dass ja z.b. das mit der alleinverantwortlichkeit eine meines erachtens falsche prämisse ist. gesellschaftliche erwartungshaltungen geben viel vor und wenn so dinge, die viele menschen betreffen, ins private geschoben werden, dann sind alternativen meist im vorhinein zum scheitern verurteilt, weil viel schwerer aufzubrechen.

persönlich finde ich nicht, dass es eine blutsverwandtschaft braucht, um kinder erziehen zu können. genauso wenig, wie die bindung an eine bezugsperson einzigartig sein muss oder dauerhaft. es gibt dafür letztlich auch kein patentrezept.

öffentlichkeit & privates

die unterscheidung in öffentlich & privat ist immer kontextabhängig und nicht klar definierbar. mal bezeichnet sie den unterschied zwischen öffentlich (also staatlich) organisierte/finanzierte vs. private unternehmen, mal eine unterscheidung zwischen privatsphäre (familie, freunde, freizeit, …) und öffentlichkeit (arbeitsleben. medial, …) oder vielleicht auch produktion und reproduktion. wobei die grenzen immer fließend sind, wenn sich eins betrachtet, wieviel einfluss z.b. private unternehmen haben oder was für vorstellungen von “der gesellschaft” medial konstruiert werden… im weiteren werde ich mich großteils auf die unterscheidung zwischen öffentlicher und privater sphäre beziehen.

die trennung der beiden sphären ist me eine großteils bürgerliche fiktion. sie geht ua. davon aus, dass politik nur über den staat & recht (+ zugehöriges gewaltenmonopol) passiert und alles andere, keinerlei regelung oder offenlegung im zwischenmenschlichen bereich bedarf (im extremfall ist dann alles erlaubt, was nicht verboten ist). die machtbeziehungen auch im privaten werden generell ausgeblendet. aber auch dass das gewaltenmonopol des staates nur funktioniert, weil alle mitmachen, geld nur tauschwert hat, weil das alle akzeptieren, etc.

absurde formen nimmt das in der rhetorik des libertären diskurses an, indem plötzlich historisch gewachsene und tlw. ziemlich gewaltvolle beziehungen ahistorisch als win-win-verträge zwischen allen beteiligten dargestellt werden. dass gesellschaftliche konventionen dabei auch sexistisch sein können, wird dabei geflissentlich ignoriert. so wird z.B. im genannten diskurs tlw. die ehe als kulturell und rechtlich institutionalisiertes gebilde begriffen, wo es ganz natürlich wäre, dass die frau schwächer sei, nicht die familie ernähren und könne und deshalb mit einem mann im gegenzug für sex- und reproduktionsarbeit, schutz und unterkunft kaufen würde.

wahrscheinlich (wenn es eine frage der argumentation wäre) hätten libertäre prinzipiell nichts gegen andere formen, menschlichen zusammenlebens. das problem ist, dass bei der argumentation meist alle anderen kulturellen und rechtlichen einflüsse ausgeblendet werden und mit biologistischen argumenten versucht wird, die privilegierung eines lebensentwurfs zu rechtfertigen, für die es kaum anerkanne alternativen gibt.

dass das private politisch ist, sollte spätestens seit den 70er jahren bekannt sein. viele entscheidungen werden nicht transparent und öffentlich getroffen, sondern in informellen treffen. – wobei ich hier mal einhaken und klarstellen möchte, dass es mir nicht um eine weiteres staatliches oder journalistisches eindringen in die privatsphäre geht, sondern eher darum den blick aufs ganze zu schärfen.

so wurde ich neulich in einem streitgespräch mit einer anderen person darauf hingewiesen, dass ich doch bitte nicht so sprechen solle, als ob ich gerade eine öffentlichkeit adressiere, weil’s ja eh ein privates gespräch sei und wir uns ja vertrauen könnten und weil die andere person ja kein_e journalist_in wäre, ich ruhig offen und ehrlich sagen könnte, was ich wirklich denke. ein wie ich finde problematischer tropus der sich neulich auf einem seminar in leicht abgewandelter form wiederholt hat, als ein teilnehmer die meinung geäußert hatte, dass er sich halt in der öffentlichkeit zumindest rhetorisch einem gewissen diskurs unterwerfe, um mitreden zu können. (ich problematisiere das gerne, weil solche unbewussten äußerungen, die implizieren können, das was anderes gemeint ist, für mich markieren, dass die person grad nicht ehrlich und offen mit mir redet.)

das problem ist hier zweierlei: erstens die annahme, dass es eine öffentliche sphäre gebe, in der eins aufpassen müsse, was eins sagt, bzw. in der eins (als politisch aktiver mensch) alles tun müsse, um einen möglichst inklusiven raum zu schaffen, wozu dann komplementär die private sphäre gedacht wird, in der es meist darum geht, einen “geschützten” raum der privatsphäre zu nutzen. unter freunden soll nicht alles ein politikum sein, soll zwar rücksichtsvoll miteinander (meistens nicht einmal das) aber darf ignorant gegenüber dem rest der welt™ gedacht und gehandelt werden. und zweitens die ignoranz gegenüber eigenen privilegien, macht- und wirkverhältnissen.

es scheint ein privileg von vielen männern nicht über sexistische strukturen nachdenken zu müssen, für die sie dann z.b. als politische vertreter schon mal einen tomatenwurf verdienen dürfen. diese idee, in der öffentlichkeit politische meinungen vertreten zu können (z.b. über gleiche beteiligung im haushalt) wird doch genau dann ad absurdum geführt, wenn ein nachwuchspolitiker sich dann nicht mit der frage der reproarbeit auseinandersetzt und es nicht als seine aufgabe sieht, den geschirrspüler auszuräumen oder die frage zu beantworten, wer das denn sonst macht.

es ist konventionssache, welche äußerungen an welche öffentlichkeit adressiert und weitergesagt werden können (bzw. vertraulich sind). und ich glaub, dass genau hier z.b. facebook mit seinen privacy-einstellungen die bedürfnisse vieler menschen nicht abdecken kann.

(sorry für etwaige gedankensprünge und fehlende referenzen. wird vielleicht mal bzw. auf nachfrage ergänzt…)

Reife

Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass ich mich doch öfter irre als mir lieb ist. Was vielleicht an meinem Perfektionismus liegen kann oder dem Wunsch alles zu wissen, zu verstehen. Jo und manchmal merke ich auch, dass ich einfach nur zu früh aufgebe und KonflikteKonfrontationen scheue.

Schön finde ich ja, dass ich nicht dogmatisch auf eine konkreten Identität beharre, sondern eher ein Fähnchen im Wind bin. Dennoch denke ich, dass ich noch geprägt von vielen Dingen bin, die ich nicht aufgearbeitet habe. Nicht nur in Bezug auf Geschlecht (so finde ich ja, als eine_r der in Wien aufgewachsen ist, die deutsche Debatte zum Thema “muslimischer Schwimmanzug” teilweise äußerst bizarr, weil nicht nur der Sportunterricht in meiner Jugend geschlechtlich segregiert worden ist), sondern auch alle möglichen Konzepte, die gesellschaftlich als “normal” vermittelt werden.

z.B. habe ich ein dringendes Bedürfnis, alles kritisch zu hinterfragen. Ob’s um Demokratie, Staat, Nation und Menschenrechte geht oder um Geschichte, Tierrechte, Moral und Ethik. Dabei geht’s mir nicht darum, irgendwelche geheimen Gremien verantwortlich zu machen und z.B. eine jüdische Weltverschwörung zu vermuten – sondern mehr die offensichtliche Machtwirkungen und -ausübungen anzugreifen. (Was in meinen Augen bei manchen auch als “das Ganze hinterfragen” bekannt ist.)

ich vertrete diesbezüglich gerne eine ignorant-anmutende Antihaltung zu vielen Themen und schieb es auf meine Schulbildung, die ich laut einem ehemaligen Schulkollegen nicht entsprechend gewürdigt habe (btw: wenn er die Lehrpläne machen würde, wäre alles besser gewesen). so denke ich, dass “allgemeinbildung” überbewertet wird bzw. so wie’s im tagtäglichen Diskurs als Argument angeführt, total scheiße.

Damit will ich nicht sagen, dass Schulbildung oder Schulpflicht prinzipiell abzuschaffen wäre und die Leute sich selbst überlassen bleiben sollen (bzw. ihren finanziellen Möglichkeiten..). Mir geht’s da eher, wie gesagt, um eine grundsätzliche Kritik.

  • In der AHS lernt eins nicht, wie mensch mit Institutionen umgeht. Was der Sinn und Zweck von gewissen bürokratischen Abläufen ist.
  • Oder dass eins massiv privilegiert ist und Rücksicht auf nicht-privilegierte nehmen sollte. Im Gegenteil geht’s viel mehr darum, sich auf die eigene Bildung was einzubilden und kein Problem mit Zwei- oder Mehrklassengesellschaft zu haben.

Eigentlich wollte ich nur drüber ablästern, dass ich keine Lust auf Referate hatte. Weil mein eigener Perfektionismus es mir verunmöglicht hatte, eine nicht vollständige philosophische Abhandlung abzugeben oder vorzutragen. Und dann nachholen, was ich damals verpasst habe. Also zumindest ein Essay über Tierrechte schreiben. (Mein Problem ist, dass ich grad überhaupt keine Lust auf Recherchen habe…)