polysexuelle Ökonomie

ausgehend von bini adamczaks theorie der polysexuellen ökonomie, also der Gedanke, dass queer_politix dazu da sind, um den “liebesmarkt” zu liberalisieren. bzw. in dem Liebe komplementär zu Geld gesehen wird. find ich spannend. ich weiß nicht, was für schlüsse ich daraus für die (bzw. meine) praxis ziehen kann.

ich würd mich gern nicht am markt sehen. weder am arbeits- noch am liebesmarkt. so als ob mein leben sich nicht um liebesbeziehungen dreht oder darum geld zu verdienen.

ich finde das konzept von freundschaft schon anstrengend genug. beziehungspflege wird von mir zum großteil vernachlässigt. hab in meinem leben auch noch nicht viel ge-workout-et. – trotzdem achte ich irgendwie auf meinen look. – auch wenn ich großteils nur second hand sachen zum anziehen hab und schon seit über 10 jahren nicht mehr für einen haarschnitt gezahlt habe, ganz egal ist es mir dann doch nicht, wie ich ausschaue. die farben (viel schwarz, nicht sonderlich bunt) müssen doch öfters zusammenpassen. und würd sagen, dass mein look nicht die grenzen des denkbaren sprengt… (clown sein müsst ich also noch lernen…)

nachdem ich nicht auf den märkten bin, und mich nicht verkaufen muss, sollte es eigentlich keine rolle spielen, wie ich mich anziehe. es sollte keine rolle spielen, wen ich liebe, wie ich liebe, ob ich liebe. dennoch sind andere menschen oftmals entsetzt, wenn ich ihnen sage, dass ich keine freund_inn\e/n habe, nicht an freundschaft glaube, was vor allem daran liegt, dass ich nicht weiß, was von mir verlangt wird, wenn mich eine_r als ihr/sein freund bezeichnet.

“wir sind doch freunde…” heißt was genau? dass ich verpflichtet bin, mich mehrmals die woche mit der person zu treffen? hin und wieder mit einer person zu sprechen? darauf vertrauen zu können, dass ich zu ihr halte egal was? und was sind die konventionen, wenn eins kein_e freund_in ist? ich mein, das hat doch irgendwie auch was problematisches, wenn ich bestimme, wer mir wichtig und auf wen ich quasi scheißen kann.

für mich sind beziehungen irgendwie ein politikum. die fragen mit wem ich kontakt aufrecht erhalte, wessen meinung mir wichtig ist, wessen nähe ich suche, an wen ich denke, wenn ich wen für was empfehle, sind immens politisch. freundschaft scheint mir dabei ein eher reaktionäres werkzeug zu sein, um gewissermaßen (nach foucault) ‹rassistisch› agieren zu können und eine zäsur zu machen. jetzt nicht unbedingt zwischen leben und tod, aber zwischen der oder die ist mir was wert und der oder die ist mir egal.

wie schaut meine alternative aus? ich weiß es nicht. ich würd gern versuchen beziehungen bewusster zu pflegen. nachdem ich mich nicht am liebesmarkt sehe und der von allgemeinen “player”-kultur eine klare absage erteile (es interessiert mich nicht, aufrisse zu machen, wen abzuschleppen oder heteronormative beziehungen zu führen), stell ich mir oft die frage, was genau ich will. ob ich eine hippiesque freie liebe will, wo jede_r mit jedem und jeder? oder das gegenteil, keine_r mit niemand? oder es mir darum geht, authentischere beziehungen zu führen, das gefühl der entfremdung zu überwinden, andere nicht mehr als charaktermasken und automaten des kapitals zu sehen, auch wenn sich alle gewisserweise als solche agieren und verhalten (zu scheinen)?

ich hab mich jedenfalls entschieden, vorerst im dissidenten zweifel zölibatär zu leben und mich vom liebesmarkt fernzuhalten. beim arbeitsmarkt versuche ich ja ähnliches.

zeitreisen

angeregt durch dr who und einer nachfolgenden diskussion würde ich gern ein populäres thema aufgreifen und einen gedanken ausformulieren der mir in der diskussion gekommen war.

die frage die wir diskutiert hatten, war einerseits wie eins trotzki vor stalin retten hätten können (und wie glaubwürdig eins sein kann, wenn eins behauptet eins sei von der zukunft) und andererseits die frage, inwiefern sich etwas in der vergangenheit so ändern lassen würde. so gibt es ja auch die meinung, dass einfach eine andere person die funktion einer person ausgefüllt hätte. (wobei ich anmerken möchte, dass das durchaus umstritten ist.)

nachdem wir nicht zeitreisen können – (langweiliger einwurf nr1) außer vielleicht mit der gegenwärtigen geschwindigkeit in der sich hier alle reaktionen abspielen – ist es natürlich bis zu einem gewissen grad lediglich gedankenspielerei, allerdings denk ich auch, dass es schon wichtig ist. schließlich wäre gerade die frage, ob eins und was eins als individuum in der geschichte™ für eine rolle spielt, für die interpretation der und herangehensweise an die welt enorm wichtig ist.

meiner meinung nach (aka langweiliger einwurf nr2) ist es eigentlich relativ einfach und fast schon tautologisch. es braucht dafür, dass was so passiert wie es passiert, immer alle bedingungen, die dazu führen, dass es passiert. ich oder du als indivuum haben darauf genauso viel einfluss wie alle anderen, um eine dynamik zu erzeugen und irgendwas wird sich schon ergeben. im nachhinein, wenn das ergebnis bekannt ist, ist es leicht fatalistisch zu sein und zu sagen, dass nix anderes möglich war, aber im moment gibt’s doch mehrere möglichkeiten, wie sich was (die zukunft™) entwickelt. mein einfluss darauf ist gering, insofern es ja nicht nur von mir abhängt, sondern auch von meinem umfeld und so, aber mit einer “fuck it”-attitude wird sich was anderes ergeben, als mit einer “but i do care about that”-…

zur spezifischen frage, ob eins den stalinismus durch eine warnung trotzkis verhindern hätte können, hab ich keine antwort. für mich ist die frage aber auch nicht so wichtig. (ich glaub ja auch nicht, dass trotzki ein besserer stalin gewesen wäre oder die weltrevolution mit trotzki geklappt hätte…) ich hab in der diskussion gemeint, dass es wichtig wäre, dass eins sich halt vor der revolution damit auseinandersetzen müsste, was nach der revolution ist. der einwand, dass die das alle eh gemacht hätten, aber fucking stalin nun mal absichtlich millionen verhungern ließ, unterstellt den beteiligten glaub ich mehr voraussicht als die bolschewiki damals haben konnten. ich mein, ich hab mich jetzt nicht so mit den theorien und arbeiten auseinandergesetzt, dass ich da eine fundierte meinung dazu hätte, aber denke doch, dass wir aus den geschichten lernen können, sollten und eigentlich auch müssen (egal ob wir sie wiederholen und eventuell besser machen oder eine wiederholung verhindern wollen).

btw für postrevolutionäre depressionen würd ich ja bini adamczak empfehlen, die hält dazu super vorträge…

pgp, web of trust, …

nachdem ich ja vor paar tagen die benutzbarkeit von enigmail kritisiert habe, hab ich heute einen beitrag über die grundlegenden designflaws von pgp gelesen und dabei insbesondere den verlinkten mailinglistenbeitrag zu den problematiken vom web of trust spannend gefunden, weil der ein paar mögliche alternativen aufzeigt.

das web of trust modell ist im grunde eine gute idee, allerdings ist die art der implementierung etwas flawed. im grunde könnte es reicht einfach sein: public keys sollte ich auch nur von vertrauenswürdigen leuten kriegen, nicht von einer zentralen stelle, wo alle hinposten können. und das sollte möglichst einfach und unkompliziert funktionieren.

wobei das natürlich subjektiv ist, was einfach und unkompliziert ist, aber wenn ich von einer bekannten die nr von ihrer bekannten bekomme gehe ich mal davon aus, dass die nr stimmt. ins telefonbuch schau ich generell eher nicht, auch wenn’s sicher für bestimmte dinge praktisch ist, sowas wie ein telefonbuch zu haben.

alternativ-betriebe

bin grad an so einem punkt in meinem leben, wo ich mich wieder für was entscheiden muss, wo’s hingehen soll bzw. wie ich weitermachen möchte. mein bachelorstudium informatik hab ich schon seit november abgeschlossen.

eine idee wäre es – einen diskussionspunkt über fairtrade aufgreifend, dass es meist nur konsum-artikel (bananen, kleidung, kaffee, …) sind, die konsumkritische menschen konsumieren. auch wenn’s mittlerweile schon erste experimente im elektronik-bereich gibt, wie das fairphone oder die fair mouse, die zumindest teil-fair sind – genau dasselbe zu machen für andere produkte, wie zigaretten oder nagellack.

letzteres fänd ich spannend, weil ich davon kaum eine ahnung habe, aber schon denke, dass die produktionsbedingungen von einem kosmetik-produkt kaum bekannt sind.

auf wikipedia find ich 3 inhaltsstoffe:
* nitrocellulose
* (leichtflüchtige) lösungsmitteln
* farppigmente

auf youtube gibt’s auch diverse diy-videos wie eins aus klarlack mit (meist lidschatten-)farbpigmenten sich was eigenes zammixen kann. aber da weiß ich auch nicht woher farbpigmente oder klarlack kommt. (vielleicht generell ein problem in unserer warenproduzierenden gesellschaft, wo wir kaum was über die herkunft und produktionsbedingungen der produkte wissen und es uns auch zu gewissen graden scheißegal ist).

naja, an dem punkt muss ich meine recherchen (warum ist es so aufwändig so sachen herauszufinden? gibt’s eine website die das schon irgendwie dokumentiert? …) scho auch beenden, weil ich grad keinen nagellack bei hand hab, keine lust hab chemie zu studieren und ich eigentlich nicht darüber schreiben wollte.

zigaretten wären auch spannend selber zu vertreiben und da ist es auch wahrscheinlicher unterstützenswerte kollektive zu finden, nach vorbild vom zapatistischen kaffee wie es aroma zapatista oder cafe libertad machen – wobei ich auch da die genaueren produktionsbedingungen nicht kenne – ein nachbar hat mir jedenfalls mal gesagt, dass es sich nicht lohnen würde, selber tabakpflanzen anzubauen, weil der ertrag zu gering wäre… desweiteren gibt’s auch noch eine tabaksteuer, die mich auch davor abhält das ernster anzugehen. müsste sich halt eins ausrechnen, ob sich das lohnt, wenn eins zu marktüblichen preisen verkauft und faire preise an produzent_innen zahlen möchte, also ob sich eins durch nicht-profitmaximierung und geld in werbeindustrie stecken – soviel sparen kann.

generell find ich die frage, wie eine solidarökonomische produktion ausschauen könnte und ob die trennung von produzent_in – konsument_in nicht auch eher problematisch ist. ein alternativ-geführter betrieb ist trotzdem der kapitalistischen verwertungslogik und dem sich daraus ergebenden leistungsdruck unterworfen, wenn er nicht zugrunde gehen möchte. und darum ging’s in der eingangs geführten diskussion über fair trade – inwiefern da nicht ein label eingeführt wird, damit eins wieder ohne über produktionsbedingungen nachdenken zu müssen (und damit mit “gutem gewissen”™) konsumieren kann.

blablupp.

Enigmail Usability

In letzter Zeit wieder häufiger E-Mails verschlüsselt und scho der Meinung, dass an der Art und Weise wie das Programm funktioniert einiges falsch läuft.

Schlüssel erstellen für neuen Account

Beim Einrichten eines neuen Accounts sollte gleich Einstellungsmöglichkeiten für GnuPG-Verschlüsselung sein, wie das Erstellen eines Schlüssels für den Account bzw. das Importieren eines vorhandenen. (Bzw. falls es einen vorhandenen findet, fragen, ob eins den verwenden möchte.) Zusätzlich gleich erklären, was das genau bedeutet, worauf eins aufpassen sollte und was dann momentan nicht funktioniert (z.B. Volltext-Suche, weshalb’s grad Initiativen gibt, das zu ändern…) -> Enigmail-Assistent scheint da noch eine Macke zu haben (mal abgesehen davon, dass es schwer zu finden ist…), bei der Auswahl eines Schlüssels zum Unterschreiben. Wenn eins mehrere Accounts hat, setzt es denselben Key bei allen Identitäten. Not sure if that’s what I want…

Sinnvolle Defaults

Das Programm sollte sinnvolle Defaults haben, die ich im Menü ändern kann. Generell gibt’s jetzt diese Option eh schon (“Bequeme Verschlüsselungs-Einstellungen”), aber für mich gehört da noch mehr dazu, als einfach nur automatisch Mails zu verschlüsseln (sofern Schlüssel vorhanden).

Einstellungsmöglichkeiten entwirren

Wahrscheinlich ist es ein Problem von Thunderbird generell oder dass Enigmail eine Funktionalität ergänzt, die eigentlich von Thunderbird selbst kommen sollte, aber find die verschiedenen Einstellungsmöglichkeitendialoge verwirrend und unnötig kompliziert.

Grundsätzlicher Perspektivenwechsel

Anstatt mir die Info zu geben, dass eine Mail verschlüsselt und korrekt signiert ist oder nur korrekt signiert ist, sollte sie mir eher Infos geben, dass eine Mail eben nicht signiert ist oder dem Schlüssel nicht vertraut wird. Also dass quasi bei Postkarten draufsteht, dass sie eine Postkarte sind und von allen am Postweg gelesen werden konnte.

Web of Trust

Kenne den aktuellen Stand der Diskussion nicht, aber eigentlich sollte Key signing einfacher funktionieren. Viel einfacher. Bin mir sicher, da gibt’s schon überlegungen dazu, aber jo. Vielleicht ist auch das zugrundeliegende Modell flawed (weil eins nicht öffentlich machen will, wer alles einem vertraut) aber das wird Enigmail auch nicht ändern. Was es aber ändern könnte, wer einen Mechanismus einzuführen um Keys einfacher zu signen und den Schlüssel auszutauschen.

Mails unverschlüsselt speichern?

Bei meinen Recherchen bin ich auf ein paar interessante Beiträge gestoßen, die der Meinung sind, dass E-Mailverschlüsselung nur für den Versand wichtig ist, danach könnt eins eh unverschlüsselt speichern. (Was das Problem mit der Volltextsuche beheben würd.)

Wie das konkret ausschauen soll, weiß ich nicht. Denk mir nur, dass es vielleicht blöd ist, wenn eins SMTP verwendet und eins den Anbietern (Google, Yahoo, GMX, …) nicht so ganz vertraut, aber vielleicht ist es ja auch eine Möglichkeit die Mail nur lokal dauerhaft zu entschlüsseln.

Fazit

E-Mailverschlüsselung sollte First Class Citizen werden, wenn’s wirklich weite Verbreitung finden soll.

auswandern nach berlin…

irgendwie kotzt mich in letzter zeit wien an und der wunsch nach veränderung wächst und wächst. ich weiß noch nicht, ob ich den schritt tatsächlich durchführen werde, aber seit dem ich den gedanken vor ca. einer woche hatte, nimmt er mehr und mehr gestalt an.

zunächst hab ich mir einfach nur gedacht, dass ich vielleicht gleich dort job suche und meinen lebensmittelpunkt mal für paar jährchen dorthinverlege. aber jetzt könnt ich mir auch vorstellen nur mal fürs mögliche masterstudium dorthinzuziehen und dafür eventuell ein leistungsstipendium zu beantragen, dass mich erhält.

was ich mir gerad vorstellen kann, weiter zu studieren: social, affective and cognitive neuroscience an der fu berlin, wobei das studium auch zulassungsbeschränkt ist und ich dafür vielleicht mal einen englisch-kurs machen müsst…

andererseit packt mich das thema grad allgemein eher nicht bzw. würd ich grundsätzlich mehr zu sozialpsychologischem zeux (insbesondere gewalt und -umgang) machen und so. weil mich das in allen zusammenhängen irgendwie verfolgt und eigentlich auch recht allgegenwärtig ist.

aber dazu vielleicht in einem anderen beitrag mehr. hab grad nicht so die energie das auszuführen…

studieren

grad im gespräch mit einer fachtutorin herausgefunden, was falsch an hausübungen ist. beim beantworten von irgendwelchen langweiligen fragen, also dem überprüfen von wissen, wird wesentliches nicht vermittelt und ich kann nachher auch nicht sagen, ob die person was verstanden hat oder nur gelernt hat, texte wiederzukäuen. spannender wär’s doch (und für studierende vielleicht sinnvoller) wenn stattdessen fragen zu stellen wär, um gerade sachen, die eins nach lektüre eines textes nicht verstanden hat (bzw. auch um bei aufgabenstellungen für die sich eins nicht befähigt fühlt), eine antwort zu bekommen und den kontext eines textes zu verstehen.

warum schreibt die person dieses und jenes, aus welcher perspektive, vor welchem hintergrund, mit welcher intention. was finde ich problematisch und so weiter. fragen, die sich seriöse wissenschaftler_innen schon stellen, wenn sie theorien ausarbeiten und forschen